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Ein kleiner Abriss zur Geschichte der Deutschen Jagdmusik
Erfreulicherweise hat das Jagdhornblasen in letzter Zeit einen grossartigen Aufschwung genommen. Die meisten Bläser sind über ihre Jägervereinigung einer Bläsergruppe angeschlossen und beteiligen sich auch an den Bläserwettbewerben der Landesjagdverbände und des Deutschen Jagdschutzverbands. Die Wettbewerbe haben das Ziel, das Jagdhornblasen in einer einheitlichen Form zu fördern und die Bläser zu notengerechtem Blasen anzuhalten.


Die als Grundlage dienenden Notenausgaben wurden vom Herausgeber zusammen mit den Landesobmännern für das jagdliche Brauchtum und einer vom DJV berufenen Kommission in den letzten Jahren umfassend überarbeitet und vom DJV als offizielle Fassung veröffentlicht (die Jagdsignale/Paul Parey/Hamburg 1968).

Diese Neufassung der Signalnoten ist auch in das vorliegende Handbuch der Jagdmusik, das allen Jagdhornbläsern und Freunden der Jagdmusik einen umfassenden Überblick über den heutigen Stand der Jagdmusik geben soll, aufgenommen worden.


Neben vielen Hinweisen aus Bläserkreisen, kritischen Vergleichen und Neuformulierungen bildeten gründliche Studien aIter QueIIen die Grundlage für die revidierte Notenfassung. Es ging dabei immer wieder um den Ursprung und die Entstehung unserer Jagdsignale. Wenn man die Veröffentlichungen von JagdsignaIen für das kleine Plesshorn zurück verfolgt, kommt man über das Jahr 1876 nicht hinaus (soweit die Ausgaben bibliographisch erreichbar sind).

Bei der Erforschung des Urprungs unserer Jagdsignale stösst man auf ähnliche Probleme wie bei der Volksliedforschung: Die wirkIiche Entstehung der Komposition vor ihrer ersten gedruckten Aufzeichnung bleibt meist Rätsel oder Vermutung, wobei dann Irrtümer nicht ausgeschlossen sind (wie man etwa die Jagdsignale fälschlicherweise J.Haydn oder C.M.v.Weber zuschreibt). Um der Wahrheit nahe zu kommen, bleibt da keine andere Möglichkeit, als zunaechst alle Quellen zusammenzustellen, einzusehen und dann durch Vergleiche irgendwelche Schlüsse zu ziehen.


Das 19. Jahrhundert und eher
Der entscheidende Zeitabschnitt für die Entstehung unserer heutigen deutschen Jagdsignale und die Entwicklung unseres kleinen Jagdhorns liegt im 19. Jahrhundert.


Das Jagdhorn der höfischen Jagd des 17. und 18. Jahrhunderts war das Parforcehorn mit seinen vielen Varianten in Stimmung (D, A, Es, F, B) und Form (Parforcehorn: 45 bis 60 cm Kreisdurchmesser, Waldhorn: 30 bis 45 cm Kreisdurchmesser). Erste Aufzeichnungen von spezifisch deutschen Jagdsignalen fuer das grosse Horn finden sich 1719 bei Flemming. Es handelt sich dabei um einstimmige Situationsfanfaren für die Parforcejagd auf den Hirsch. Das Parforcehorn wurde in Deutschland weiter entwicktelt und für den Gebrauch im Orchester entdeckt. Über das Inventionshorn mit verschiedenen aufsteckbaren Verlängerungsbogen fand es seine künstlerische Auswertung im nunmehr mit Ventilen versehenen Konzertwaldhorn. Das Waldhorn blieb in der Kunstmusik (z. B. Haydn, die Jahreszeiten, oder Weber, der Freischütz u.a.) bis heute das Instrument der Jagd und des Waldes. Sogar auf moderen Jägerschallplatten (CD's), im Rundfunk und im Fernsehen werden die heutigen Jagdsignale mit Waldhörnern geblasen, um den jagdlichen Eindruck zu verstärken.


Als Gebrauchsinstrument verlor das Parforcehorn mit dem Rückgang der Parforcejagd an Bedeutung. Nach 1848 wurde es nur noch auf den wohl seltener gewordenen Prunkjagden grosser Fürsten geblasen. So beschreibt R.Corneli in seinem Buch 'Die Jagd und ihre Wandlungen' eine Parforcejagd, die 1884 im Grünewald stattfand und zu der sich alle hochgestellten Persönlichkeiten des kaiserlichen Hofes im roten oder schwarzen Galajagdrock zu Pferd ein Stelldichein gaben. Eine grosse Blüte erlebte das Parforcehorn urn 1880 noch einmal in Österreich.

Josef Schantl, Kammer- Solohornist an der Wiener Hofoper und Leiter der 'K.u.K. österreichischen Jagdmusik', schrieb neben vielen Fanfaren besondere österreichische Jagdsignale. Sucht man nach weiteren Aufzeichnungen in Deutschland, findet man im Winkell'schen Handbuch von 1805 Situationsfanfaren für das grosse Hom, die sich wesentlich von den Flemming'schen Signalen unterscheiden und sich an französische Vorbilder anlehnen.

Behlen, ein anerkannter Fachmann, hat 1842 in seinem Jagd- und Forstlexikon diese Signale übernommen und den Kernbestand weitgehend ergänzt. Neben 'Halali auch Hirsch tot' findet sich ein Signal 'des Schweines Tod' (für das grosse Horn). Einige Signale lassen erkennen, dass die Jagd bereits zur 'schiessenden Jagd' wurde: z.B. 'Blindschüsse', 'Schweisshunde zu bringen', 'Stopfen' und 'Zusammenkunft der Schützen'. Während das Winkell'sche Handbuch in der Auflage von 1865 bei einem Stamm von 8 Parforcejagdsignalen blieb und sie dann 1898 nur als 'Französische Parforcejagdsignale' bezeichnete, begannen die Jagdbücher von 1876 an, neben den Parforcejagdsignalen auch die neuen Signale für das kleine Horn zu übernehmen. Aber noch 1926 widmete sich Pompecki in seiner Jagd- und Waldhornschule dem Parforcehorn, und auch 1933 wurden bei Rohrig,  'Das Weidwerk', die Anfänge der alten Situationsfanfaren abgedruckt.


Das schwach gewordene Interesse für das grosse Horn ging in Deutschland während des Dritten Reiches noch weiter zurück, wohl aus ähnlichen (politischen?) Gründen, wie sie schon in der Kaiserzeit (ab 1871) genannt wurden und bis heute von wenigen Uneinsichtigen leider noch vertreten werden. Die Jäger lehnten das Parforcehorn als 'welsch' (französisch) und als Jagdhom der 'Perücken- und Zopfzeit' (Corneli: 'das allerdings wunderbar klingt') ab. Gerne wurde eine 'germanisch-deutsche' Entwicklungslinie im Jagdhornblasen aufgezeigt (Frevert, Einleitung zu den Jagdsignalen) und dabei fast 200 Jahre der Jagdmusik mit dem grossen Horn vergessen.


Nachkriegszeit

Erst nach dem zweiten Weltkrieg begann, von Frankreich ausgehend, die 'Renaissance der grossen Jagdmusik'. Die Abneigung gegen das Parforcehorn verhalf dem kleinen Horn, neben seiner viel besseren Handlichkeit bei der praktischen Jagdausübung ('zu Fuss'), mit zu seinem einmaligen Siegeszug in der deutschen Jagdgeschichte. Dieses kleine Horn, etwa seit 1880 Fuerst-Pless-Horn genannt, ist wohl schon im 16. Jahrhundert auf Abbildungen als sogenanntes Einschleifenhom zu finden; es wurde wohl in den folgenden Jahrhunderten als Natur-Blechblasinstument von 60-100 cm Röhrenlänge in den verschiedenste Formen, gewunden, halbmond- oder halbkreisformig, mit einem kleinen Tonumfang von 1-3 Tönen weiterverwendet. Aber erst im Zusammenhang mit entscheidenden Vorgängen in der Militärmusik konnte die heutige Form und ihre Verwendung entstehen.


Bei den Heeren der deutschen Bundesstaaten wurden Signalhörner aus Metall (Naturtrompeten) eingeführt: erstmals bei den hannoverchen Feldjägertruppen im Jahre 1758, 1788 bei den preussische Jägertruppen, 1813 im ganzen preussischen Heer, 1819 in Sachsen und 1856 in Bayern. In den folgenden Jahren zogen die anderen deutschen Staaten nach. Daneben wurden aber die Jägertruppen mit Waldhörnern ausgestattet, um als 'Jaeger' erkenntlich zu sein. Ein bekanntes Beispiel sind die Lutzowitzer Jäger von 1913.


Erste Notenbeispiele, von denen wir unsere heutigen 'Signalrufe' ableiten können, stammen aus dem Jahre 1787 von Popitz, dem späteren Stabstrompeter Wilhelms II. von Preussen. P. Panoff hat in seinem Werk über die Militärmusik diese Signale überliefert und auch Hannoversch-englische Hornsignale von 1821 und 1824 aufgenommen. Unser 'Sammeln der Treiber' heisst dort 'Rechts ziehen', aus 'Zusammenschliessen' wurde später 'Sammeln der Schützen', 'Der leichte Infanterie-Ruf' wurde 'Aufbruch zur Jagd'. In Hannover sind ausserdem gegen Ende des Jahrhunderts spezielle Jagdsignale mit einer eigentümlichen, schleifenden Blastechnik entstanden. W.Frevert hat aus der Sammlung von Pompecki das Signal 'Verloren Treiben ausgesetzt' mit seiner Bezeichnung 'Wild ablegen' übernommen. C.F.Guntram bringt 1834 in seinem umfassenden Werk über 'die Jäger und Schützen' die preussischen Flügelhornsignale für alle Jäger- und Schützenabteilungen, die später in Deutschland für alle entsprechenden Truppengattungen übernommen wurden und noch im Reglement von 1887 galten: Es sind dort unsere Signale 'Das Ganze', 'Sammeln der Jaeger', die 4 'Treiberwehren', 'Halt', 'Aufhören zu schiessen' und andere enthalten, allerdings mit anderen, militärischen Bezeichnungen.


In den Jäger- und Schützenkompanien waren meist Jäger, Förster und 'Forstbeflissene' zusammengefasst. Die Hornisten wurden später zu den nach 1850 aufkommenden herrschaftlichen oder gar kaiserlichen Schiess- oder Treibjagden als Signalgeber befohlen und bliesen dort, da ja ihre Forstkollegen als Treiber oder Jagdpersonal fungierten, ihre gewohnten, nun aber auf jagdliche Verhältnisse übertragene Militärsignale. So war das bekannte Signal 'Vorwärts' (Merkvers: 'Kartoffelsuppe') bis in die 30-er Jahre hinein das Signal fuer das Vorgehen der Treiber. Als sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts die rein forstliche Zusammensetzung der Jägertruppen aufzulösen begann, übernahmen die ForstschuIen die Ausbildung der Bläser. Während also die Herkunft und Entstehung der reinen (Jagdleit-)Signale, bis auf wenige neukomponierte Formen, in den meisten Fällen festgestellt werden kann, geben die mehrstimmigen, fanfarenartigen Stücke wie 'Hohes Wecken', 'Begrüssung', 'Zum Essen', 'Jagd vorbei - Halali'  und die ersten Totsignale schon mehr Rätsel auf. Es gab bei den Jägertruppen kleine mehrstimmige Fanfaren und vor allem eine reiche Auswahl von Märsche und Spielstücken, die in der Art vorgetragen wurde, wie die Märsche der heutigen Spielmannszüge. Die speziellen Jagdfanfaren sind aber wohl erst um oder nach 1875 entstanden. So wäre es doch verwunderlich, wenn der 'Königlich Preussische Oberforstmeister' Grunert in seiner Jagdlehre von 1879 nichts von irgendwelchen zeremoniellen Jagdgebräuchen mit Hörnerklang wäehrend seiner vergangenen Dienstzeit erwähnt, ja sogar ihr Fehlen gegenüber der 'Vorzeit' beklagt.


Erst auf den kaiserlichen Hofjagden (nach dem Tagebuch des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von 1875 an) scheint man neben den Signalen auch kleine Jagdfanfaren eingeführt zu haben. Es ist anzunehmen, dass sie von einem Stabshornisten speziell fuer die kleinen Signalhömer verfasst und zunächst von Manuskripten aus mündlich weitergegeben wurden. Erste Aufzeichnungen der neuen Fanfaren fand ich bei Dombrowski 1876. In seinem Buch 'Das Edelwild' beschreibt er einen Jagdtag mit den dabei zu blasenden Signalen. Er bezeichnet sie als 'bei den kaiserlich-deutschen und königlich-preussischen Hofjagden vorgeschrieben', führt aber nur 19 Signale an, darunter 'Hirsch tot' und 'Jagd vorbei'. Das 'Halali' fehlt.


Hans Heinrich XI. Fürst Pless
Das Zeremoniell bei den Hofjagden erhielt seine entscheidende Prägung durch Hans Heinrich XI. Fürst Pless (1833 - 1909), dessen Familie in hoher Gunst beim preussischen König und auch beim späteren deutschen Kaiser stand. Die Grafen von Hochberg wurden 1854 vom preussischen König Friedrich Wilhelm IV. in den 'Preussischen Fürstenstand Pless' erhoben. Als Oberstjägermeister des Kaisers leitete der Fürst Pless seit 1878 die Hofjagden und trug in der hohen Gesellschaft stets ein kleines Jagdhorn bei sich, das er auch gut zu blasen verstand. Seine Bemühungen um das Jagdhornblasen fanden ihren Ausdruck in der Herausgabe eines kleinen Signalbüchleins mit Fanfaren und Märschen von J. Rosner ('zusammengestellt und rhythmisch geordnet!'). Das Heft wurde im schlesischen Pless verlegt und erlebte von 1878 bis 1910 über 18 Auflagen, wenn auch jeweils von kleinem Umfang. In der Folge der verschiedenen Auflagen wurden neue Signale aufgenommen und andere ergänzt. Es ist anzunehmen, dass einige Signale, auch Totsignale, von Rosner selbst stammen. Er war sehr aktiv und hat nicht nur ein Jagdsignalbuch, sondern 1878 auch ein Signalbuch fuer das Feuerwehrhorn in Pless herausgegeben und es 'den deutschen Feuerwehren gewidmet'.


Die politische und gesellschaftliche Stellung des Kaisers im neuerstandenen Reich trug wesentlich dazu bei, dass alles aus seiner Umgebung, auch die Jagd, als vorbildlich bewundert und nachgeahmt wurde. So wurden die Signale und das umwickelte, runde Jagdhom, das der Oberstjägermeister Fürst Pless zu tragen pflegte, zunächst (vermutlich von Pless aus) in ganz Preussen und in den folgenden Jahrzehnten auch in den anderen deutschen Landen übernommen. Das sich das Plesshorn in der Stimmung (in B) von den früheren C-Hörnern des Militaers unterscheidet, lag an den Bestrebungen, in Deutschland alle Blechblasinstrumente auf die Stimmung B oder Es auszurichten (erste Forderungen in dieser Hinsicht stellte Th.Rode, der Verantwordiche für die preussische Jägermusik, bereits 1840). Obwohl die Jagdsignale 1882 im Jagdlexikon von Riesenthal und 1884 bei Corneli in verschiedenen Fassungen und Zusammenstellungen erschienen (bei Riesenthal u.a. ein neues 'Federwild tot'), ist wohl die Rosner'sche Ausgabe die Quelle der späteren Veröffentlichungen, wie etwa zu Anfang unseres (20.) Jahrhunderts von H.Wahls und dann in entscheidendem Format in der schon erwaehnten Schule von Pompecki, 1926. Pompecki versieht die Signale, dem Stil der Zeit entsprechend, mit ausgeklügelten, fast uebertriebenen Artikulationsbezeichnungen, die dann später fehlerhaft in anderen Signalbüchern übernommen wurden...

Aus: Handbuch der Jagdmusik / Reinhold Stief?

 

De Duitse traditie

De Jachthoornblazers Sint Hubertus Nieuwenhagen blazen hun jachthoorns in de Duitse traditie. Deze heeft haar eigen oorsprong - vooral in Oostenrijk - en zijn eigen-aardigheden. Daarom een uitstapje in dit deel van de blazerswereld.

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